Die Repräsentation der Zukunft war im Laufe der Modernität, aus
soziologischer Perspektive, an eine objektive Konzeption der Zeit
gebunden, die ihren Ursprung in den großen ökonomischen Strukturen
findet. Mit dem Aufschwung der neuen Informations- und
Kommunikationstechnologien (NIKT), haben Raum und Zeit auf Grund
der Möglichkeit, ohne Raumbezug und in einer sich von der modernen
"Kommunikationszeit" unterscheidenden Zeit zu
kommunizieren, neue Bedeutungen gewonnen. In einer qualitativen
Untersuchung über die Zeitvorstellungen derjenigen, die das
Internet täglich zu Hause benutzen, konnten wir die
Wiederherstellung einer "gelebten Zeit", die sich an die
Stelle der für die Modernität kennzeichnenden objektiven Zeit
setzt, beobachten. Diese gelebte Zeit charakterisieren Verzerrungen
der Repräsentation von Vergangenheit und Zukunft und die
Vorherrschaft einer Repräsentation der Gegenwart als "Moment
der Durchführung", Was zeichnet eine solche Repräsentation auf
psychologischer Ebene aus? Im Rahmen dieser
Fragestellung erörtern wir jene "neue zeitliche
Orientierung", die im privaten Raum die täglichen Benützer des
Internets entwickeln.
Schlagworte
:
Zeitlichkeit, Psychologie, Pathologie, Lebenswelt, Soziologie,
Zeit, Informations- und Kommunikationstechnologien, Internet, Repräsentation.
©
2001 - Luc Bonneville -
Alle Rechte vorbehalten.
Dieser Artikel untersucht die Frage der Ausbreitung von Kultur
mittels einer Technik die den Untergang der Kultur
fördere. Zunächst stellen wir, ausgehend von der Frankfurter
Schule, verschiedene Analysen vor, die in kritischer Perspektive
der Frage der Verbindung von Technik und Kultur im Zeitalter der
Massenmedien nachgegangen sind. Hierauf verfolgen wir diese
Reflexion weiter, indem wir uns dem Multimedia zuwenden, das die
einst von Benjamin aufgeworfene Problematik erneuert. Multimedia,
gekennzeichnet durch seine digitale und interaktive Seinsweise,
stellt jedoch auch andere Fragen; zum Beispiel die Furcht vor der
Konkurrenz zwischen dem traditionellen Besuch und dem virtuellen
Besuch zu Hause. Wir stellen schließlich fest, daß die Untersuchung
der Gebrauchsweisen uns in die Lage versetzt, diese Kontroversen
über die Entwertung des Werkes durch seine technische
Vervielfältigung und die Furcht vor der Konkurrenz zwischen dies
beiden Vermittlungsweisen (das Museum und museale Multimedia)
zu überwinden. Aus diesem Blickwinkel können museale,
multimediale Produkte eher als ergänzenden Techniken, die das
museale Angebot erweitern, denn als Ersatzprodukte aufgefaßt werden.
Schlagworte
:
Technik, Reproduktionstechnik, Kultur, Frankfurter Schule,
Kulturindustrie, Massenkultur, Multimedia im Kunstmuseum,
Kunstwerk, virtuelles Museum, CD-ROM, kulturelle Praxis, Gebrauch.
©
2001 - Hélène Bourdeloie -
Alle Rechte vorbehalten.
In dieser Untersuchung der gesellschaftlichen Fernsehserie Jasmine,
versuchte ich, verschiedene Elemente zu identifizieren, die die
Wahrnehmungen, Konstruktionen, Einstellungen und Verhaltensweisen
der Quebecer beeinflußt haben. Zunächst ging es mir darum, zu
beschreiben, wie sozialer Status und Beziehungen -- zwischen
Individuen und zwischen sozialen Gruppen -- mittels der Figuren
dargestellt werden. Diese Inszenierungen vollziehen sich unter
anderem mittels der Repräsentation des Anderen (ethno-kulturell,
sexuell oder generationsspezifisch). Die Identifikation der Pole
privat/öffentlich ließ daraufhin Verbindungen zwischen Privatsphäre
und Öffentlichkeit deutlich werden, und hat, mittels der
Handlungsintriguen, mehrere soziale Problematiken zum Vorschein
gebracht, unter anderem die Identität der Personen zugleich als
Individuen und soziale Subjekte. Die Resultate meiner Untersuchung
ermöglichen es, diese Fernsehserie als ein kommunikationelles und
mediales Verbindungsglied zu verstehen und die Konzeption von
Staatsbürgerschaft, auf der ein gewisses politisches Projekt der
demokratischen Nation Quebec beruht, zu erneuern.
Schlagworte
: Fernesehen, Fiktion, Serie, Staatsbürgerschaft,
Handlungsintrigue, Person, privat/öffentlich, Andere, Utopie.
©
2001 - Patricia Clermont -
Alle Rechte vorbehalten.
Obwohl die Lehre wissenschaftlicher Publizistik in Brasilien in
den 70er Jahren begonnen hat, werden heute noch immer sehr wenige
Programme in diesem Fach angeboten. Dafür gibt es mehrere Gründe,
vor allem die Tatsache, daß die wissenschaftliche Publizistik nicht
sehr etabliert ist und daher seine Lehre mit einer Vielfalt von
Anliegen, Programmen und Zielgruppen verbunden ist. Die Evaluierung
und der Vergleich der bisherigen Programme sind daher wichtig, um
die aktuellen Herausforderungen in diesem Bereich zu verstehen. Wir
stellen hier eine kurze Chronologie der Studienprogramme in
wissenschaftlicher Publizistik in Brasilien vor und vergleichen
diese mit Programmen in anderen Ländern. Wir analysieren im
besonderen die Erfahrungen an der Universität von Campinas
(Unicamp) seit 1999: ein Programm, das sich gleichzeitig an
Forscher und Journalisten wendet, mit dem Ziel, ihre Wahrnehmung
der verschiedenen Wissensformen in diesen beiden Berufsständen zu
verbessern. Unsere wichtigste Schlußfolgerung besteht darin, daß
der Kontakt zwischen diesen beiden Gruppen positive Auswirkungen
hat, obwohl er nicht deren Natur verändert und obwohl die
verschiedenen Perspektiven auf Wissenschaft und Gesellschaft
weiterbestehen.
Schlagworte
:
wissenschaftliche Publizistik, Journalismus, Wissenschaft, Lehre,
Ausbildung, Geschichte, Brasilien, Journalisten, Forscher,
Wissenschaftler.
©
2001 - Mônica Macedo -
Alle Rechte vorbehalten.
Dieser Artikel stellt das Problem der Standardisierung im Bereich
der Informatik vor. Die Entstehung der Standards - technische
Spezifikationen, die die Interoperabilität verschiedener Bauteile
sicherstellen - setzt eine gewisse Zusammenarbeit zwischen den
Produzenten, Verkäufern, Administratoren und Benützern
informatischer Systeme voraus. Die Modelle, nach denen diese
Zusammenarbeit funktioniert, haben ökonomische, politische und
soziale Implikationen, weil sie Recht und Macht jeweils
unterschiedlich verteilen. Das Entstehen eines öffentlichen Raumes
durch die Verknüpfung informatischer Systeme wird daher von den
Eigenschaften dieser Modelle beeinflußt. Diese bewirken Standards,
die man mittels einer Skala zwischen geschlossen (die von einem
einzelnen Akteur kontrolliert werden) und offen (verantwortet in
einem offenen Forum und uneingeschränkt verfügbar) charakterisieren
kann. Uns haben vor allem die Vorteile der offenen Standards
interessiert. Diese werden anhand zweier Beispiele (das Internet
und freie Software) vorgestellt. Schließlich argumentieren wir mit
Hilfe der Theorie des kommunikativen Handelns Jürgen Habermas' für
die Notwendigkeit einer öffentlichen Kritik der Standardisierung
informatischer Infrastrukturen.
Schlagworte
:
Standardisierung, Informatik, offener Standard, Internet, freie
Software, kommunikatives Handeln, Habermas.
©
2001 - Michael Totschnig -
Alle Rechte vorbehalten.
Dieser Artikel behandelt die verschiedenen Kundgebungen
elektronischer Demokratie auf Gemeindeebene als Rahmen, in dem die
Teilnahme der Bürger an den Entscheidungsprozessen ausgeweitet
werden könnte. In dieser Hinsicht analysiert die Autorin die
digitale politische Kommunikation - Voraussetzung einer
elektronischen Demokratie - der Gemeinden des Großen Südwestens
Frankreichs (Aquitaine, Languedoc-Roussillon, Midi-Pyrénées). Im
ersten Teil werden die der politischer Kommunikation gewidmeten
Rubriken auf den Webseiten dieser Städte zwischen 1999 und 2000
verglichen und die Resultate durch zusätzliche Elemente
erklärt. Zweiten versucht die Autorin die Konturen der
elektronischen Demokratie in den großen Städten, den mittleren
Städten und den ländlichen Gemeinden dieser Stichprobe zu
zeichnen. Schließlich werden die im Großen Südwesten eingeholten
Ergebnisse mit denen einer anderen Stichprobe - die Städte, die der
Vereinigung der Bürgermeister der Großstädte Frankreichs angehören
- verglichen. Im Gegensatz zu den zahlreichen Stellungnahmen, die
sich von dem Eindringen des Internets in die politische
Kommunikationspraxis den Aufschwung partizipativer Demokratie
erwarten, zeigt die Autorin den sehr unsicheren Stand
elektronischer Demokratie in den Gemeinden und entwickelt einige
erklärende Hypothesen.
Schlagworte
:
elektronische lokale Demokratie, digitale politische Kommunikation,
Internet, Großer Südwesten (Frankreich).
©
2001 - Stéphanie Wojcik -
Alle Rechte vorbehalten.